Es schläft sich besser
mit guten Gedanken in der Nacht
nach reichen, erfüllt gelebten Tagen.
So wird es auch am Ende sein,
vermute ich.

Neuigkeiten


ein Gruß zum neuen Jahr

11.01.2019, 11:06 Uhr

Es ist natürlich klar, dass ich jedem meiner Leser nur das Allerbeste wünsche. Dass wir jetzt eine nächsthöhere Zahl hinter das Tagesdatum schreiben, sei nur eine Frage der Mathematik, möchte ich meinen; aber nein! Es hat schon seinen Sinn, dass es damit eine gute Gelegenheit gibt, jedem Nachbarn, dem ich beim mittäglichen Lustwandeln begegne, einen frohen Wunsch zuzurufen. Ich sollte das nicht gering schätzen, wirklich nicht. Und so schmettere ich es über die Straße, raune es in so manches Ohr, grinse es über einen Ladentisch. "Ein gesundes und glückliches neues Jahr", sage ich - und ernte damit ein Lächeln. Hat sich doch schon gelohnt! Echt mal.

Ich möchte es nicht versäumen, euch allen zu danken, die ihr (zu Weihnachten?) meine Bücher erworben und vielleicht verschenkt habt. Das tut der Literatinnenseele so gut - ihr habt ja keine Ahnung. Alle meine Bücher sind zeitlos und immer wieder lesenswert; das habt ihr mir damit gesagt, es kommt bei mir im Innersten an. So nähre ich mich vom Seelenfutter und empfange die Kraft, weiterzumachen, die Jahresrechnung zu bezahlen, die sichert, dass alle meine Buchdaten weiter "gehalten" werden bei Books on Demand; so dass ihr sie auf den üblichen Wegen bestellen könnt. Ich freue mich sehr über euer Interesse und kaue auf einer nächsten Idee herum, ohne sie allerdings willentlich herbei zwingen zu können oder auch nur zu wollen. Darüber habe ich schon oft erzählt, nicht wahr? Das sagen auch berühmtere Kollegen von mir immer wieder und stärken mir die Geduld damit, die nun einmal mit meinem Beruf verbunden ist. Geduld! Oh je. Herr - schenke sie mir, aber sofort!, das ist ein bekannter joke unter Gleichgesinnten. Aber selbst Nikos Katsanzakis hat es gewusst: "Wir haben die Pflicht, uns nicht zu beeilen (die Pflicht!), nicht ungeduldig zu werden und dem ewigen Rhythmus der Natur mit Vertrauen zu folgen." Ich glaube, ich habe dieses Zitat aus dem "Alexis Sorbas" in mein drittes Kreta-Buch übernommen; manchmal weiß ich das gar nicht mehr so genau. Jedenfalls hängt es über meinem Schreibtisch und verliert nichts von seiner Aktualität für mich. Auch heute trifft es wieder den Kern, an diesem elften Tag des Jahres 2019 in Berlin, das mit Schneegriesel ein wenig beim Winter mitzumachen versucht. 

Ein echter Schnuspelmorgen, schrieb ich vorhin in mein Tagebuch. Schriftstellerwetter! Nur meinesgleichen jubelt darüber, weil wir mit Fug und Recht am Schreibtisch sitzen bleiben können und nicht raus zu gehen brauchen. Und dann mache ich mich doch auf meine Touren - eingedenk der alten Weisheit, dass es kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung gibt. Ja ja. Und bin dankbar, dass mein Schrank tatsächlich voll davon ist, von zu jedem Klima passenden Hüllen. Aber auch das - verflixt noch eins! - schreibe ich nicht zum ersten Mal. Wo war das noch ... in einem anderen Buch, zu einer anderen Zeit, auf dieser website gar? ... Ich redete zu viel. Ich schrieb ununterbrochen. Ich sabbelte so vor mich hin. Manchmal finde ich inzwischen Schweigen auch ganz nützlich und angesagt. Hey, Leute! Aber eine stumme Schriftstellerin!!! Was übte sie denn dann eigentlich noch für eine Berufung aus?! Das ist eine gute Frage, nicht - oder? Ein bißchen muss ich mich schon noch mit Worten ausdrücken, und das tue ich eben hier, auf dieser Seite, so lange mir der nächste Held für ein neues Werk nicht auf der Straße begegnet - oder meine ankommenden Enkelchen (neulich sagte ich: "Engelchen"! Was für ein herrlicher Freud´scher Versprecher!!!) mich zu etwas völlig anderem inspirieren. Ich halte mich offen und bereit. Da könnt ihr sicher sein!

Was wollte ich eigentlich sagen? Neuerdings empfange ich ulkige Wortneuschöpfungen, die ich mir vorsichtshalber notiere, man weiß ja nie. Schnuspelwetter zum Beispiel. Oder Vertonken. Den Liebsten nenne ich so, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt. Vertonken. Mein Schatz. Manchmal ersetze ich mit "Vertonken!" auch einen ungehaltenen Fluch. Dann muss ich fast schon wieder lachen - und Lachen ist extrem wichtig, wie ich im Selbstversuch herausgefunden habe -; denn wer kann noch tierisch ernst bleiben, wenn er "Vertonken!" flucht statt etwas Schlimmeres, das ich hier bewusst nicht wiederholen will. Ihr merkt, wie ich so drauf bin am Anfang dieses neuen Jahres. Und da wisst ihr noch nicht, dass ich mich anziehe wie eine fröhlich gealterte Pippi Langstrumpf. Schade, dass es diese Figur schon gibt; ich möchte sie glatt erfinden - oder eine wilde Schwester von ihr, ein Brüderchen ... Bis dieser Held sich mir offenbart, gewande ich mich jeden Tag erst einmal selber so, wie ich mir einen solchen Menschen eventuell vorstelle, und die Modefirma "Blutsgeschwister" hilft mir dabei. Jetzt ist es raus; Vorsicht! Product Placement auf meiner Seite!!! Aber ich muss es einmal erwähnen: Wenn es das gibt, dass textile Designer ähnliche Intentionen haben wie schreibende Künstler, dann müssen wir seelenverwandt sein, dieses label und ich. So bunt und originell und ladylike und unbändig humorvoll wie diese Kleider mit eigenen Namen; so wünsche ich mir mein neu zu entbindendes Wesen - und mein ganzes Jahr 2019, wenn es gestattet ist.

Damit wißt ihr nu wieder Bescheid über eure Katrin aus der Werkstatt. Vertonken aber auch!

 

 

beim Weihnachtsputz

23.12.2018, 11:00 Uhr

Staub. Staub. Staub. Wir wischen ihn fort, achtlos, gedankenlos; finden ihn lästig. Und wenn es nun die Asche unserer Ahnen ist, die sich zeigt, um uns zu erinnern; uns an etwas zu gemahnen? Meint ihr wirklich, er erschiene zufällig und so hartnäckig immer wieder neu in unseren Zimmern - der alles bedeckende, nie ganz zu entfernende Staub? ... 

Zu morbide, dieser Eintrag, für die festliche Zeit? Ich denke, nicht. Ich bin so, Jane Austen war, soviel ich weiß, auch so ähnlich; und es sickert ja ohnehin immer mal wieder etwas durch. Das muß dann wahrgenommen werden, festgehalten und gewürdigt, das ist mein Beruf. Und während ich das schreibe, schon mit meinem Rechner im Prinzip aus dem Allerheiligsten weg geräumt, um der weihnachtlichen Feiertafel Platz zu machen im Wohnzimmer; putzt mein Schatz den großen Tisch mit einem Lappen, alles wackelt - und das letzte Eckchen für meinen kreativen Erguss wird mir streitig gemacht. Staubwischen auch hier, wo ich doch noch etwas mit euch teilen will. Das ist der Lauf der Dinge. Mir jedoch entgeht nichts. Und so werde ich auch fürderhin an dieser Stelle meine seltsamen Gedanken einstellen; sie sind absolut authentisch - wenn auch oder gerade daher seltsam -; sie entspringen ehrlicher, analoger Quelle. Nichts gelogen. Nichts prämiert.  

Das ständige Auf und Ab von Lob und Tadel, Hochstieg und Fall, es ist mir ohnehin suspekt. Also sei mir willkommen, mein allerletztes vorweihnachtliches Staubfleckchen, Eckchen; es könnte ja ein Gruß sein aus der Vergangenheit, der mir sagen will: Gib Ruh, meine Kleine. Mach es dir bloß nicht so schwer.

Frohe Weihnachten euch allen. Eure Katrin aus der Lebenswerkstatt, kurz vor den zwölf Rauhnächten, in denen alle Tore zur Anderwelt weit, weit offen stehen sollen. Daher der Staub.

 

 

Mein Weihnachtsmoment

10.12.2018, 10:09 Uhr

Die Berliner U-Bahn. Traurige Berühmtheit. Fernsehbilder von Gewalttaten, immer wieder abgespult und aufgerufen. Ich kenne Menschen, die rollen schon mit ihren Augen, wenn es nur heißt: "Heute bin ich mit der U7 gefahren". Und Therapeuten begleiten ihre Patienten, die sich allein nicht in diese Waggons trauen. Ich nehme sie trotzdem ab und zu, die Metro meiner Stadt. Und finde die Befürchtungen mal bestätigt, andere Male nicht. Aber nun. Ein wahres Wunder!

Es war knackend voll. Ein junger Türke hatte mir seinen Sitzplatz angeboten, und in mir stritten diese Stimmen ... "so alt sehe ich also schon aus" - und: "es gibt sie also doch noch immer, diese Gentlemen, von denen ich schon in meinem ersten "Stadtstreicherinnen"-Buch geschrieben habe". So ungefähr. Vielleicht noch ein paar Stimmen mehr. Ich will Sie damit nicht langweilen. Plötzlich, auf der Station "Britz-Süd" öffnen sich die Türen, eine exotische Großfamilie steigt ein, mindestens fünf Kinder, soweit ich das erkennen kann, denn die Allerkleinsten teilen sich einen Kinderwagen und schlafen zum Teil übereinander gekuschelt im Verborgenen. Die etwas Größeren, so gar nicht scheu, entern das Innere der Bahn und belegen die noch freien Bänke, springen einigen Passagieren fast auf ihre Schöße. Gleich gibt es Ärger, mutmaßt eine von den hörbaren Stimmen in mir; und ich bemerke schon steilere Falten auf Stirnen in meiner Umgebung. Direkt mir gegenüber erklettert ein Mädchen (oder Junge?) mit strubbeligem schwarzen Haar ein Eckchen und schaut herausfordernd um sich. "Wie heißt du?", spricht das kleine schmale Wesen die Frau neben mir an, die ich mir bislang nicht genauer betrachtet hatte. Wie ich nun sehe, ist sie eine Asiatin, verstöpselt wie die meisten, weswegen ich gar nicht mit einer Reaktion ihrerseits rechne. Aber da soll ich überrascht werden. Sie tut es! Sie nimmt die Ohrhörer raus, wendet sich der Kleinen zu und sagt einen Namen, den ich nicht verstehe. "Hm?", fragt das Kind zurück. Bekommt erneut Antwort. Und dann geschieht etwas, das ich im Traum nicht für möglich gehalten hätte. Die Dame reicht ein Ende ihres Kabels rüber, steckt es in das kleine Ohr, ohne zu fragen, ob es gewaschen ist; ohne ein Desinfektionsspray zu benutzen, einfach so, von Mensch zu Mensch. "It´s mongolian", sagt sie, offenbar mongolische Musik. Dann vergewissert sie sich, ob der Ohrstöpsel richtig sitzt; plaziert bei sich selbst den anderen. Und dann lauschen sie ihren für mich und alle anderen unhörbaren Klängen; das kleine Mädchen (ich bin mir jetzt sicher, dass es kein Junge ist) und die asiatische Frau. Es muss eine meditative Komposition sein, denn sie werden beide ganz still, nicken einander nur zu, von Zeit zu Zeit. So teilen Liebende ihre streams oder beste Freundinnen. Und hier - einfach so - ohne viel Federlesens, wie es im Märchen heißt. In mir, ein Staunen. Ich fühle mich, als wäre ich Teil einer Umkehr. Hätte ich ... an ihrer Stelle ...? Ich weiß es wirklich nicht. Habe ja auch kein Smartphone. Höre keine Musik in der Bahn. Lebe analog.

Irgendwann müssen wir alle aussteigen. Wieder dieses wortlose Nicken. Artig gibt das Kind das technische Gerät zurück. Wie ruhig sie geworden ist. Ich nehme mein tiefes Staunen mit hinaus in meine Welt. Frohe Weihnacht uns allen. Es sind immer die kleinen Dinge, nie die großen, dramatischen. Und die können uns überall finden. Klingt wie eine Binsenweisheit? Was kann eigentlich ich dafür!