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Friedenstaube gesichtet
24.07.2018, 12:01 Uhr
Ich habe eine Friedenstaube gesehen. Wirklich! Sie saß auf einer Stromleitung, die durch die Gärten führt; von meinem Berliner "Dorf" ins Nachbardorf. Gestern bin ich da entlang spaziert, und da sah ich sie. "Hallo", rief ich zu ihr hinauf, "bist du tatsächlich die Friedenstaube, wie ich sie seit Kindertagen kenne?" Sie nickte und drehte ihren Kopf ein wenig zu mir herunter, den Zweig mit einer Verästelung und einem grünen Blättchen daran behielt sie fest in ihrem Schnabel. Ich hätte sie so malen können, wenn ich malen könnte, und jeder hätte sie erkannt. "Kleine weiße Friedenstaube, fliege übers Land ..." Kein Zweifel. Sie war es. Und ich habe mich kaum über ihr Erscheinen gewundert; sie wird ja schließlich gebraucht. Oder etwa nicht!
Die Haut der Zivilisation ist dünn, das spüre ich in meiner Großstadt allerorten. Es hat manchmal keine Konsequenzen mehr, wenn man sich Luft macht, auf erschreckend rüde Weise. Ich muß das nicht erläutern; jeder weiß, was gemeint ist; und ich bin froh, irgendwann gelernt zu haben: Fang bei dir selber an. Nur dich kannst du ändern - und dann ändert sich die Welt um dich herum. Worte! Während ich sie aufschreibe, ist mir schon klar, wie sie mißverstanden werden können. Das ist eine echte Crux! Reflexartig reagieren andere auf Reizworte - ohne auch nur ein Fünkchen der Überlegungspause: "Moment mal ... - was hat sie hiermit eigentlich genau gemeint?!"
Damals, in meinem Journalistikstudium, habe ich gehört, dies sei das "Geheimnis menschlicher Kommunikation": Die eine Hälfte der Menschheit drücke sich falsch aus - und die andere Hälfte mißverstehe das. Damit muß man leben - und es trotzdem immer wieder versuchen, mit dem Dialog, diesem mysteriösen Miteinander-Reden. Wenn ich könnte, würde ich auch auf Worte verzichten; würde andere Zeichen gebrauchen, die sofort verstanden werden; aber welche könnten das nur sein? Ein Lied singen? Eine Musik schreiben? ...
Vielleicht eine Friedenstaube malen. Abmalen. Denn sie ist ja da.
Staub wischen auf meiner Seele
09.07.2018, 11:55 Uhr
Ich bin weiß Gott nicht die allergrößte Hausfrau. Putzen ist eher nicht mein Ding, Staub wischen schon gleich gar nicht. Als ich es zuletzt heldenhaft anpackte und ausführte, meinen Staublappen aus dem Fenster meiner Werkstatt ausschüttelte, da grüßte von draußen eine Nachbarin freundlich und sagte: "Ich würde es lassen. Man kämpft auf verlorenem Posten." Ganz meine Rede! Diese liebe Dame erschien mir wie eine Botin; wie die Stimme des Allerhöchsten selbst. Seitdem - nun ja. Ich tue, was ich kann. Sagen wir mal so. Ich gebe mit Sicherheit mein Allerbestes; wie unperfekt auch immer es sein mag. Personal stelle ich aber auch nicht ein. Nö, nö.
Worauf ich allerdings nicht verzichten kann, das ist das Staub wischen auf meiner Seele. Leute! Da hat sich ja was angesammelt - wenn man, wie ich, schon eine Weile auf der Erde leben darf. Meine Güte! Wenn einem das ganze Ausmaß erst bewußt wird!!! All diese "do´s" und "do not´s" - tu dies und tu das nicht -, all diese scheinbar festen Wahrheiten, woher wohl etwas kommt und ein anderes nicht kommt, oh je! Will ich das alles wirklich bis zum Ende mit mir herum schleppen? Und wenn nicht - wie werde ich es los? Werde wieder frisch und jungfräulich (nein, nicht SOOOO ...) und frei und aufnahmefähig für etwas anderes, neues und vielleicht besseres, ja doch, ja! Wie soll das gehen? Werden die Leute eigentlich krank und vergesslich daran, dass sie genau das nicht schaffen; die ganze Last fröhlich abzuwerfen und weiterzugehen ohne sie?
Was mich angeht, zum Beispiel, so darf ich eine echte Liebe leben, mitten im Alltag, hier und jetzt. Und da kommt mir manchmal etwas in die Quere, das von innen kreischt und auf eine Barrikade steigt. Mein Liebster kennt das schon. Da holt etwas tief, tief Luft in mir und hält eine Rede und will gegen irgend etwas aufbegehren, das es schon längst nicht mehr gibt. Es ist verrückt! Da meint eine alte Instanz in mir, hier liefe etwas verkehrt, und sie meint zu wissen, wie es hätte zu laufen müssen, wenn es "richtig" liefe, ihrer Meinung nach und wenn die Welt in Ordnung wäre und ich mittendrin auch; wenn nicht alles so "falsch" und gegen den Baum ginge ... - ach, ja. Mann!
Auch daraum schreibe ich. Weil ich erstens gar nicht anders kann; und weil die Dinge zweitens, wenn ich sie erst auf Papier gebracht vor mir sehe, eine andere Gestalt annehmen beziehungsweise ihre bisherige Gestalt enthüllen und - so nackt da stehend - sich zeigen in ihrem ganzen Wahnsinn. Das ist alles nicht schlimm; ich schade je niemandem damit. Es dient mir zur eigenen Erhellung, zu meinem Glück. So ist das. Leute, danke für eure Aufmerksamkeit; aber ich muss jetzt aufhören, ich habe alle Hände voll zu tun: Auf nehme ich den geistigen Staublappen; los wedele ich ihn durch meine inneren Verkrustungen. Hey, was für ein Spaß! Da bleibt kein Körnchen auf dem anderen, frischer Wind kommt herein. "Hallo", ruft die Nachbarin. "Sie sehen aber anschauenswert aus heute wieder. Kommen Sie mal heran; ich möchte Sie besser in Augenschein nehmen können!" Lieber Gott, lass mich nicht aufgeben. Nie. Bitte und danke, lieber "Baum" (der Baum ist einer meiner Vertreter des Großen Ganzen auf Erden; in einigen meiner Bücher habe ich bereits darüber geschrieben).
Eure Katrin, bei der Arbeit. Wo sonst.
am Flughafen
11.06.2018, 11:53 Uhr
Vor einigen Jahren sagte mal eine weise Frau zu mir: "Es ist genau so egoistisch, immer nur geben zu wollen, wie es egoistisch ist, immer nur nehmen zu wollen. Denk mal drüber nach." Und das tue ich seitdem, immer mal wieder, wenn es mir einfällt, oder wenn eine Erfahrung im Leben auftaucht, die mich daran erinnert. So wie gestern. Am Flughafen von Heraklion auf Kreta. Sie haben da so ein System beim Einchecken, das ich nicht verstand, und das beinahe dazu geführt hätte, dass ich mein Flugzeug nach Hause verpasst hätte, nach vier herrlichen Wochen auf - na ja, fast schon "meiner" Insel. Man muss zuerst die Koffer an einem Schalter vorzeigen zum Wiegen und Bekleben mit dem üblichen Schniepel, auf den der Bestimmungsort gedruckt ist. Aber dann fährt das Gepäck eben nicht, wie sonst üblich, vor den eigenen Augen auf einem Transportband ins Nirvana - hoffentlich in die Hände fleißiger Packer und in die richtige Luke an der richtigen Maschine. Nein! In Heraklion ist es so, dass man danach die Koffer wieder von der Waage herunter wuchten und zu einem weiteren Schalter transportieren muss, der dann dazu dient, sie auf den Weg zu schicken; richtige Luke, richtige Maschine - Sie wissen schon. Das wäre ja vielleicht alles nicht so schlimm, wenn man es erstens wüßte und zweitens halbwegs freie Bahn hätte - aber das genaue Gegenteil war der Fall, vor vierundzwanzig Stunden in dieser Abflughalle auf meiner so geliebten Insel. Ich hatte lange nicht so ein Gedränge von Menschen gesehen. Es waren keine Schlangen zu erkennen; nur eine Menge wie bei einem Rockkonzert vor einer Bühne. Niemand wußte, wo er oder sie sich hätte anstellen sollen, um zu welchem Schalter vorzudringen; selbst die professionellen Reisebegleiter wurden hektisch und laut. In diesem Gewusel schritt die Zeit gnadenlos voran; und obwohl wir überpünktlich da gewesen waren, fanden wir uns plötzlich in einer Situation wieder, in der auf der großen Anzeigetafel "Boarding" für unser Flugzeug erschien, und wir selbst noch inmitten all dieser Leute standen, bestimmt noch hundert Koffer vor uns.
Und jetzt kommt´s: Auf einen verzweifelten Ruf aus panischem Halse hin meldeten sich freiwillig viel weiter vorn in der crowd zwei junge Damen, die sich als unsere Familienmitglieder ausgaben und uns an die Schalter-Wartestelle vor sich ließen. Gemeinsam rannten wir dann zur Sicherheitskontrolle, durch den Duty Free-Bereich; und dann brüllten sie uns auch schon zu: "Hier entlang!", wo an ihrem Pult die dafür zuständige Dame unserer zu kontrollierenden Pässe harrte. "Sorry for that", verabschiedete uns die griechische Bedienstete aus ihrer Stadt. Wir rasten weiter, durch die Schleuse, fielen in einen eigenen Bus zum Flugzeug, sprangen die Showtreppe zum Einstieg hoch, in die Arme der Stewards, dennoch freundliche Gesichter; liefen Spießruten durch all die Passagiere, die schon saßen, die Bescheid gewusst hatten, die alles richtig gemacht und sich durchgesetzt hatten, ja doch, ja! Und die uns nun böse anschauten, weil wir den Start aufhielten, einige Minuten zwar nur, aber immerhin.
Nie habe ich mich erlöster in einen Flugzeugsitz fallen lassen. Nie habe ich mich mehr danach gesehnt, überhaupt in so einen Airbus einsteigen zu dürfen! Als das bißchen tröpfelnde Salzwasser auf meinen Wangen versiegt war und allererste klarere Gedanken auftauchten, da fiel mir dieser gute Rat von jener weisen Frau ein: Man muss auch Hilfe annehmen; jeder braucht manchmal die uneigennützige und unkomplizierte Unterstützung anderer Menschen. Man schafft es nicht allein. Ich hoffe, die beiden Engel nehmen unsere Einladung zum Essen an. Ich würde sie gern wieder treffen. Danke, Mädels! Wer noch einmal etwas gegen die jüngere Generation sagt, der bekommt es mit mir zu tun. Aber hallo!




















