Man sammelt sich im Leben unvermeidlich
so viele Frust-Rationen an.
Wohl dem,
der sie gut verdauen kann.

Neuigkeiten


Herbstspaziergang

01.10.2017, 19:26 Uhr

Die eigene Stadt wie eine fremde entdecken. Das liebe ich. Einfach loslaufen, in eine Buslinie springen. Endstation. Ein Waldweg beginnt, direkt am Wasser. Und dann - wandern. Fuß vor Fuß. Staunen. Das Denken einstellen. Entdeckerfreude. Wie ein Kind. Jetzt müßten Enkel dabei sein! Bis dahin sind wir selber welche - oder teilen mit Kindern anderer Leute. Seitdem mir klar ist, dass wir alle zusammenhängen, miteinander verbunden sind, trenne ich das nicht mehr so strikt: Eure, meine. Ihr und ich. Ein rosa Eimerchen voller Kastanien. Unser Picknickrucksack mit belegten Broten, Äpfeln, Joghurt und Tee. Am Ufer sitzen, es ist noch nicht zu kalt dafür, und - ja - die passende Kleidung haben wir auch. Ein knorriger Ast lädt uns ein zum Sitzen. Er bietet Garderobenhaken für den Schirm; eine Fußstütze für die Trekkingschuhe, ein Guckloch für den Blick auf den See. Letzte Motorboote. Einsame Segler. Ein Ausflugsdampfer kurvt verloren vor sich hin. Sind denn überhaupt noch Passagiere darauf? Oder schmaucht der Käpt´n sein Pfeifchen und dreht die Runde just for his own fun? Noch dreißig Minuten bis Feierabend. Nein, nicht bis Buffalo wie in dem berühmten Gedicht von Theodor Fontane. Keine Gefahr, heute und hier. John Maynard 2017.

Und da kommt tatsächlich noch eine Fähre angesummt; ein Solar-Katamaran. Keine Fata Morgana, weil ich gerade an den Erie-See dachte! Nein, sie legt an, trägt uns mitten in der Natur mitten in Berlin für das Vorzeigen unserer Umweltkarte auf die andere Seite. Ein kleiner Junge steht an Deck und nickt würdevoll, als wir ihm das Ticket vorzeigen. Gut möglich, dass die Fährfrau seine Mutter ist. Durch verwunschene Buchten, an einer Insel vorüber, bringt sie uns auf die andere Seite. Ich höre eine Mitfahrende erzählen, dass auf dieser Insel einst die Stasi ihr Unwesen getrieben haben soll, und dass man das Eiland heute noch nicht käuflich erwerben kann. Wer weiß, was die dort gemacht haben. Bevor ich es erfahren kann, betreten wir Rahnsdorfer Festland.

Schon streben wir einer weiteren Endhaltestelle entgegen. Straßenbahn. Ach, Straßenbahnfahren! Ein Stück Himmel auf Erden für mich. Auf dem Weg dort hin passieren wir einen Gartenzaun. "Frische Eier", steht auf einem Schild, das daran angbracht ist. "Honig" auch. Und, damit auch wirklich keiner vorüberstreift, ohne sich etwas genommen und seinen Obolus dafür in die Kasse des Vertrauen gelegt zu haben, folgt noch der Hinweis: "Wirklich frische, glücklich machende Produkte von einem frei laufenden Bauern."

Da muss ich lachen. "Soll ich das auch über mich sagen?", frage ich den Gefährten. "Wirklich frische (im Sinne von eigenwillige), selbst verzapfte und glücklich machende Bücher von einer frei laufenden Autorin?!"

Ob sie Sie glücklich machen, liegt nicht in meiner Hand. Aber alles andere ist nichts als die Wahrheit, besonders das "frei" und das "laufend". Fortsetzung folgt. Und einen schönen Feiertag allerseits.

 

 

Seltsames Gedicht

07.09.2017, 13:20 Uhr

 

Die Art, wie mein Liebster „Blümchen“ sagt, hat mich becirct.

Und draußen ist es über Nacht Herbst geworden ...

aber nicht in mir.

Nasse Wäsche hänge ich auf in meinem Schlafgemach –

als Medizin.

Meine Nase weint.

Sie übernimmt die Tränen,

die aus meinem trockenen Auge nicht fließen wollen.

Randvoll ist mein Herz.

Randvoll mit ALLEM:

Tränen, Liebe; einem großen verzehrenden Nicht-Weiter-Wissen-Und-Doch-Hierbleiben.

Voll mit all diesem und noch mehr ist mein Herz.

Und mit der Art, wie mein Liebster „Blümchen“ sagt.

 

 

Stars for free

28.08.2017, 12:16 Uhr

Da war ich am Samstag wieder, acht Stunden lang in der Berliner Wuhlheide, bei diesem sensationellen Konzert mit siebzehntausend Zuschauern. Es war ein Fest. Wir tanzten, sagen lauthals mit - was ich erst am nächsten Morgen so richtig bemerkte, als ich meinen Herzallerliebsten beim ersten Kaffee fröhlich ankrächzte. Was für ein Quell an Inspirationen für mich! Die vielen Menschen, die sich da so friedlich feiernd versammelt hatten. Die Künstler, die in ihre musikalischen Darbietungen auch Botschaften einflochten. Und dann solche, die gar keine Botschaft zu formulieren brauchen, weil sie selbst die Botschaft sind. Offenes Gesicht, die wachen blauen Augen eines Weisen, zugleich staunend wie ein Kind - und mit solcher Spielfreude! Der Musiker Marlon Roudette mit seinen karibischen Wurzeln, der ein in unseren Breiten exotisches Instrument wie die Steel Drum virtuos zum Klingen zu bringen weiß. Wenn dieser Mann wüßte, was er mir geschenkt hat mit seinem Auftritt! Wir kennen uns nicht; Worte wurden nie gewechselt zwischen uns. Nur diese zwanzig Minuten oder vielleicht eine halbe Stunde; ich im Publikum, er auf der Bühne. Und ich war verzaubert, bin es noch. Sofort wußte ich, diesen Moment, dieses Gesicht, diese Ausstrahlung kann ich mir im Geist zurück holen, wenn trübere Tage kommen sollten. Ein Trost. Ein Licht. Ein Hoffnungsschimmer. Da sah ich es: Es braucht nicht viel. Und Mahatma - die Große Seele - Gandhi hatte recht, als er sagte: "Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst." Gib dein eigenes Beispiel. Es ist nicht zu klein. Es zählt und wiegt.

Ich habe keine Ahnung, was ich als nächstes schreiben will oder "soll". Tagebuch - immer. Jeden neuen Morgen. Das wißt ihr ja schon, wenn ihr diese Seite lest. Aber was für ein Buch? Was wird gebraucht? Von mir, von dir. Ich weiß es nicht. Ich lasse es einfach entstehen, so geduldig ich kann; in seinem eigenen Tempo. Mal sehen ...