Ich muss nicht mehr alles glauben, was ich denke. Endlich.

Neuigkeiten


als neulich ...

01.03.2019, 10:32 Uhr

... in Berlin-Köpenick der Strom aus ging, weil bei Bauarbeiten an der Allende-Brücke aus Versehen ein zentrales Kabel gekappt worden war, da zeigten sich Menschen erfinderisch: Ich jedenfalls hatte nicht gewusst, dass man auch mit einer Keramikplatte und sechs Teelichtern darunter etwas kochen kann. Zum Beispiel das Wasser für meinen unverzichtbaren Morgenkaffee, aber hallo!!! A propos ... - Heute erreichte mich eine tolle diesbezügliche Idee; das NatürLicht. Klingt gut? Klingt gut. Ich nehme mir einmal die Freiheit, auf die Homepage zu verweisen, die diese - man kann schon sagen - Weltsensation näher erklärt: www.natuerlicht.eu

Das wäre doch wirklich ein Schritt! Kein Aluminium mehr, statt dessen umweltfreundliche, vollständig abbaubare Rohstoffe in diesen allseits so beliebten Kerzlein. Ich überlege mir, wo überall Teelichte Verwendung finden; im Tipi am Kanzleramt (worüber ich gestern schwärmend berichtete) auf jedem einzelnen Tischchen; und kein Mensch kann zählen, auf wie vielen Tischchen in Separeés, Restaurants, Cafés, Lounges noch. In meiner Wohnung sowieso; in welcher eigentlich auch nicht! Ich bin ergriffen davon, dass Jüngere zur Tat schreiten; dass sie sich wirklich Gedanken machen darüber, was wir unserer Mutter Erde antun - und ob es nicht auch andere Wege, Möglichkeiten gibt. Heute. Hier. Jetzt. Jetzt gleich. Die Rückkehr zur Baumwollwindel für Babypopos ist auch so eine Errungenschaft. Ich selbst gehöre noch zu jener Generation von Frauen, die mit schwangerem Bauch in einer langen Schlange anstanden, um ein streng rationiertes Paket von zehn solcher begehrten Tücher einkaufen zu können. Und Onkels, Tanten, Omas, Opas halfen (heimlich) mit. 

Ich sehe Fernsehbeiträge über die Papiertüte, die doch auch das Obst beim Einkauf fasst - und denke an die spitz zulaufenden braunen Behältnisse, in denen sich für zehn Pfennige frisches Sauerkraut erstehen ließ, das meine Freundin und ich nach der Schule genüßlich verspeisten - und der Saft tropfte unten raus, und wir lachten darüber und leckten uns die Finger ab. So alt bin ich noch gar nicht - und habe doch schon einige Extreme im Auf und Ab; im angeblichen Gut und Böse der gesellschaftlichen Wendungen erlebt. Und nun kommt es mir wieder, das Staunen. Ich möchte dabei sein, wenn wir nicht länger zerstören, sondern bewahren und Frieden schließen. Und ich sage es weiter, wenn mir etwas gefällt, so wie das Natürlicht, auf das ich im Leben nicht gekommen wäre. Aber zum Glück muss ich ja nicht alles alleine machen, so wie keiner von uns, wenn er es nicht ausdrücklich selber so will.

Leute! Ich wünsche euch einen frohen Tag auf diesem unserem gütigen, so geduldigen Planeten; auf dem in unserer Gegend heute meteorologisch der Frühling beginnt und alles zu neuem Leben erwacht. Meine geliebte und schöne Kleidung ist auch teilweise aus recycelten Plastikflaschen hergestellt; und die Kleidchen tragen ein Fair-Trade-Siegel. Ich habe so deutlich an dieser Stelle noch nie über dieses Thema geschrieben, aber heute muss es einfach sein. Die Jüngeren inspirieren mich dazu; ich danke euch dafür. Ich tue, was ich kann und bin bestimmt nicht perfekt; aber was wäre das auch, Perfektsein, Vollkommenheit als menschliches Wesen! Wo habe ich das gelesen: "Nicht alle von uns können große Dinge tun. Aber wir alle können kleine Dinge mit großer Liebe tun."

Und so versuche ich es. Was am Ende "klein" war oder "groß" - das entscheide sowieso nicht ich. Wer denn? Keine Ahnung. Weiß ich doch nicht. Sollte mir noch ein "Natür"Licht aufgehen, sage ich euch gleich Bescheid. Versprochen.

 

 

Kleine Wunder im Frühling

28.02.2019, 09:54 Uhr

An der Ecke zu meiner Straße steht ein Leierkastenmann. Oh nein, denkt es in mir, der schon wieder! Der nervt! Und außer den Kindern, den ewig fröhlichen Wesen, kann sich keiner recht darüber freuen, wenn dieser seltsame Mann für ein paar Nachmittagsstunden alles übertönt mit seinen Gassenhauern. "Wenn der weiße Flieder wieder blüht", "Tulpen aus Amsterdam" und ähnlich sprießende all-time-Musikstücke. Ich kann sie im Moment gar nicht alle wiedergeben, fällt mir auf. So ist das, wenn man Töne bloß als Lärm empfindet und nicht als Bereicherung. No jo.

Aber gestern, auf einmal, meldete sich eine zweite Seite in mir, und diese zweite Katrin lächelte genau wie die Kurzen, die vor dem Berliner Original tanzen und nicht weiter gehen wollen mit ihren eiligen Eltern. Mensch, wie schön! Der Sänger erinnerte mich an einen Abend im Tipi am Kanzleramt, als ich eine ausgelassene Version der Operette "Frau Luna" von Paul Lincke ansehen durfte. Was heißt "ansehen"! Ich durfte DARIN leben und mit feiern und mich von der Ungezähmtheit der agierenden Schauspieler anstecken lassen. Das war vielleicht ein Künstlerstelldichein! Mein Gott. Ich brauche solche Ereignisse von Zeit zu Zeit und zehre länger davon als andere Menschen. Ob der Prinz Sternschnuppe auf der Bühne oder die wundervolle Stella, Lunas Zofe - oder die Witwe Frau Pusebach, Venus, Mars bemerkt haben, dass auch ich ein "Sonne-Mond-und-Sterne"-Kleid trug, goldene Himmelszeichen auf nachtblauem Untergrund; und passende Ohrringe dazu? Ich fürchte, es wird ihnen entgangen sein, ich saß ja leider im Publikum. Aber GEFÜHLT habe ich mich wie Eine von ihnen; ich gehörte zu diesem wilden Künstlervolk, und wenn ich die Gänge zwischen meinem Platz und den Schönheitsräumen abgeschritten habe, dann - oh ja - dann sollte es jeder bemerkt haben, der auch nur ein wenig zu sehen vermag.

Es gibt diese Aufführung noch bis zum 31. März, und wer kann, sollte sie sich ansehen. Sie hebt die Lebensfreude und die Daseinslust - und, nein: Ich bekomme keine Provision für diese Empfehlung. Ich möchte einfach teilen, was mir so viel gegeben hat wie es keine Frohmachpille geben könnte (vermute ich! Ich kenne mich im Grunde gar nicht aus mit solchen Pillen ...). Es ist ein rauschendes Fest, bei dem das Publikum mit singt, kichert, schunkelt; sogar die Eingesperrtesten in ihren so schicken wie korrekten Anzügen. Und in den Kabinen der Regenerationsräume wird weiter gesummt und gegrinst. Ich habe es mit eigenen Augen beobachtet. Mit eigenen Ohren belauscht.

Und nun betrachte ich sogar den Leierkastenmann an der Ecke zu meiner Straße neu. Der gestrenge Teil in meinem Wesen wird abgelöst durch den lustigeren; ich bleibe stehen, erfreue mich an all den Gassenhauern, die fast so klingen wie jene neulich von der Tipi-Bühne. Ach, wie liebe ich meine Stadt, wenn ich die "Berliner Luft" besinge, mir frischen Mut hole aus "Laß den Kopf nicht hängen" oder brülle vor Lachen bei "Glühwürmchen, Glühwürmchen, flimmre, flimmre" (in der Version im Zelt gibt es tatsächlich ein extrem niedliches männliches "Glühwürmchen" mit wackelnden Fühlern am vierschrötigen Kopf!!). So gibt es wohl im Leben immer das Eine und das Andere; ich kann wählen, wenn ich es denn will.

Meine Lieben, mir scheint, ich ziehe sogleich das dunkelblaue Himmelszelt-Kleid noch einmal über und stecke mir die goldenen Ohrringe an, auf denen sehr kunstvoll der Mond die Sonne umarmt wie auf der Yogamatte mein Liebster zuweilen mich. Und dann gehe ich raus in die Frühlingssonne und schaue, wo wohl der Leierkastenmann heute stehen mag. Das mache ich! Aber hallo! So vieles steht nicht in meiner Macht. Aber welche Seite in mir ich stärken und vermehren will, das ja! Wir werden uns sehen. Ihr erkennt mich an dem Kleid. Einer Kreation der Firma "Blutsgeschwister"; und auch dafür bekomme ich keine Provision, dass ich das lobend erwähne. Bis zum nächsten Mal, euch eine gute Zeit - und achtet auf die Wahl, die ihr habt, selber und gleich. Fortsetzung folgt. Eure Katrin. Muß feiern. Das Leben und so und den Frühling und so ... - und dass diese Seite hier heute drei Jahre alt wird! Weniger als meine Enkelin alt ist. Mehr als die nächsten Enkel alt sein werden, die aber - Hurra und Halleluja - zu mir unterwegs sind. Ach! :-)

 

   

Ein Märchen

07.02.2019, 10:17 Uhr

Ich zähle gerade mein Geld und sammle meine Federn, die ich noch nicht verloren habe im Laufe eines langen, doch schon ziemlich langen Lebens. Da klingelt es an der Tür, zur Unzeit. Wer kann das sein? Niemals um diese Stunde hat schon je einer gewagt, mich beim Zählen, Sammeln zu stören. Vorsichtig luge ich durch den Spion. Ha! Man nennt es den Spion, jenes kleine Auge an Wohnungstüren! Irgendwie ist es gerade wichtig für mich, das gesondert hervorzuheben. Vielleicht, weil in meiner Stadt zur Zeit diese Plakate hängen; Stasi 1989 - und Facebook, Smartphone, App, Drohne & Co. 2019. Unter der Überschrift "An jeder Ecke ein Spitzel". Na ja, wie auch immer. In einem Menschenkopf vermischen sich halt Dinge, gesehene, geträumte, selbst erdachte, selbst erlebte. In einem Literatinnenkopf ganz besonders. Aber das wollte ich alles nicht erzählen. Ich luge also durch meinen Türspion und sehe sie draußen stehen, zu zweit, einen Mann, eine Frau; und sie wirken eigentlich nicht wie die Zeugen Jehovas. Ich weiß auch nicht, woran ich das nun wieder erkannt haben will. Ich öffne. Ich bin ja auch sehr neugierig. Das ist nicht zu ändern, so bin ich schon geboren worden. "Guten Tag", sagen die Frau und der Mann im Chor. Sie lächeln mich freundlich an. Ich bleibe etwas reserviert. Man weiß ja nie. Ich grüße aber zurück. "Worum geht es?", frage ich. Neugierig. Klar. 

"Wir möchten uns bei Ihnen herzlich entschuldigen." Hä? Aber da reden sie bereits weiter. "Ja, wir haben Geld von Ihnen angenommen, als wir schon ahnten, unsere Airline wird es wohl nicht mehr sehr lange geben." Ah! Aber, was - um alles in der Welt ... Sie brauchen meine Einschübe nicht. Sie fahren einfach fort: "Das ist nicht anständig", sagt der Mann. "Und nun haben Sie alles umsonst so früh im Jahr schon berappt. Im guten Glauben und Vertrauen. Das tut uns leid. Es soll Ihnen kein Schaden daraus entstehen. Mit dieser Last wollen wir nicht weiter leben." Die Dame zückt einen Umschlag. Es raschelt darin. "Hier ist der Betrag, den Sie durch unsere Geschäftspleite verloren haben oder eben fast verloren hätten. Wie gesagt, wir bitten Sie um Entschuldigung. Wir leisten vollen Ersatz." Als ich wieder sprechen kann, höre ich mich sagen: "Kein Anwalt? Kein Streit? Muss ich das vielleicht versteuern? ..." 

"Aber nein", sagen die beiden wieder im Chor. Sie tun das ja an vielen Haustüren. Sie sind in Übung damit. "Es geht uns um die neuen Zeiten, um einen völlig veränderten Umgang der Menschen untereinander. Wir möchten selbst damit beginnen, hier und heute und gleich jetzt." "Wollen selber die Wandlung sein, die wir auf der Welt zu sehen wünschen", bekräftigt der zweite des eigenartigen Pärchens an meiner Tür. Ich nehme den Umschlag entgegen. Mir wird leicht schwindelig, ich muss mich am Holzrahmen zum Eingang in meine Wohnung ganz kurz festhalten. Träume ich? Wache ich? Ich weiß es nicht mehr. Wer soll es mir sagen. Ich bin ja ganz allein mit diesen Beiden.

"Und, wenn Sie eine Umbuchung brauchen, wir sind Ihnen gern behilflich dabei", bieten sie mir noch an. Nein, also jetzt glaube ich wirklich nicht mehr, dass das hier tatsächlich geschieht. "Danke", sage ich. "Darüber muss ich erst nachdenken." Sie überreichen mir noch eine Visitenkarte. Ich kann sie jederzeit kontaktieren. Und dann helfen sie mir. Ohne Anwalt. Ohne Gericht. Ohne Umschweife. Einfach so, von Mensch zu Mensch. Ich kneife mich überall. Aber ich liege nicht in meinem Bettchen; es ist kein Traum. Oder doch? Weil angeblich alles nur ein Traum ist auf Erden? ... 

Wo war ich stehen geblieben, vor diesem Besuch? Ach ja, ich hatte mich sortiert; hatte meine Federn gesammelt und die Verluste verbucht. Im Moment weiß ich nicht, wohin ich mich wenden soll. Also bleibe ich einfach stehen, wo ich stehe, an Ort und Stelle. Schaue an mir herunter, den raschelnden Umschlag noch in der Hand. Da sehe ich einen frischen Flaum wachsen, ganz zart. Wenn er sich schon am Handrücken zeigt, dann eventuell auch anderswo am Körper? Auf meiner Seele? - Ich muss jetzt aufhören zu schreiben. Ich habe Wichtigeres zu tun. Das will ich ganz genau wissen. Und dann unter die Leute gehen, mich zeigen, es verkünden. Wie diese beiden. Kann es wirklich wahr sein? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Es ist ein Märchen. Oder was sagt ihr dazu?