Ich bin wie herumgeworfen
im Schleudergang des Lebens.
Jetzt bloß nicht auch noch selber
Wirbel machen!

Neuigkeiten


Kleine Wunder im Frühling

28.02.2019, 09:54 Uhr

An der Ecke zu meiner Straße steht ein Leierkastenmann. Oh nein, denkt es in mir, der schon wieder! Der nervt! Und außer den Kindern, den ewig fröhlichen Wesen, kann sich keiner recht darüber freuen, wenn dieser seltsame Mann für ein paar Nachmittagsstunden alles übertönt mit seinen Gassenhauern. "Wenn der weiße Flieder wieder blüht", "Tulpen aus Amsterdam" und ähnlich sprießende all-time-Musikstücke. Ich kann sie im Moment gar nicht alle wiedergeben, fällt mir auf. So ist das, wenn man Töne bloß als Lärm empfindet und nicht als Bereicherung. No jo.

Aber gestern, auf einmal, meldete sich eine zweite Seite in mir, und diese zweite Katrin lächelte genau wie die Kurzen, die vor dem Berliner Original tanzen und nicht weiter gehen wollen mit ihren eiligen Eltern. Mensch, wie schön! Der Sänger erinnerte mich an einen Abend im Tipi am Kanzleramt, als ich eine ausgelassene Version der Operette "Frau Luna" von Paul Lincke ansehen durfte. Was heißt "ansehen"! Ich durfte DARIN leben und mit feiern und mich von der Ungezähmtheit der agierenden Schauspieler anstecken lassen. Das war vielleicht ein Künstlerstelldichein! Mein Gott. Ich brauche solche Ereignisse von Zeit zu Zeit und zehre länger davon als andere Menschen. Ob der Prinz Sternschnuppe auf der Bühne oder die wundervolle Stella, Lunas Zofe - oder die Witwe Frau Pusebach, Venus, Mars bemerkt haben, dass auch ich ein "Sonne-Mond-und-Sterne"-Kleid trug, goldene Himmelszeichen auf nachtblauem Untergrund; und passende Ohrringe dazu? Ich fürchte, es wird ihnen entgangen sein, ich saß ja leider im Publikum. Aber GEFÜHLT habe ich mich wie Eine von ihnen; ich gehörte zu diesem wilden Künstlervolk, und wenn ich die Gänge zwischen meinem Platz und den Schönheitsräumen abgeschritten habe, dann - oh ja - dann sollte es jeder bemerkt haben, der auch nur ein wenig zu sehen vermag.

Es gibt diese Aufführung noch bis zum 31. März, und wer kann, sollte sie sich ansehen. Sie hebt die Lebensfreude und die Daseinslust - und, nein: Ich bekomme keine Provision für diese Empfehlung. Ich möchte einfach teilen, was mir so viel gegeben hat wie es keine Frohmachpille geben könnte (vermute ich! Ich kenne mich im Grunde gar nicht aus mit solchen Pillen ...). Es ist ein rauschendes Fest, bei dem das Publikum mit singt, kichert, schunkelt; sogar die Eingesperrtesten in ihren so schicken wie korrekten Anzügen. Und in den Kabinen der Regenerationsräume wird weiter gesummt und gegrinst. Ich habe es mit eigenen Augen beobachtet. Mit eigenen Ohren belauscht.

Und nun betrachte ich sogar den Leierkastenmann an der Ecke zu meiner Straße neu. Der gestrenge Teil in meinem Wesen wird abgelöst durch den lustigeren; ich bleibe stehen, erfreue mich an all den Gassenhauern, die fast so klingen wie jene neulich von der Tipi-Bühne. Ach, wie liebe ich meine Stadt, wenn ich die "Berliner Luft" besinge, mir frischen Mut hole aus "Laß den Kopf nicht hängen" oder brülle vor Lachen bei "Glühwürmchen, Glühwürmchen, flimmre, flimmre" (in der Version im Zelt gibt es tatsächlich ein extrem niedliches männliches "Glühwürmchen" mit wackelnden Fühlern am vierschrötigen Kopf!!). So gibt es wohl im Leben immer das Eine und das Andere; ich kann wählen, wenn ich es denn will.

Meine Lieben, mir scheint, ich ziehe sogleich das dunkelblaue Himmelszelt-Kleid noch einmal über und stecke mir die goldenen Ohrringe an, auf denen sehr kunstvoll der Mond die Sonne umarmt wie auf der Yogamatte mein Liebster zuweilen mich. Und dann gehe ich raus in die Frühlingssonne und schaue, wo wohl der Leierkastenmann heute stehen mag. Das mache ich! Aber hallo! So vieles steht nicht in meiner Macht. Aber welche Seite in mir ich stärken und vermehren will, das ja! Wir werden uns sehen. Ihr erkennt mich an dem Kleid. Einer Kreation der Firma "Blutsgeschwister"; und auch dafür bekomme ich keine Provision, dass ich das lobend erwähne. Bis zum nächsten Mal, euch eine gute Zeit - und achtet auf die Wahl, die ihr habt, selber und gleich. Fortsetzung folgt. Eure Katrin. Muß feiern. Das Leben und so und den Frühling und so ... - und dass diese Seite hier heute drei Jahre alt wird! Weniger als meine Enkelin alt ist. Mehr als die nächsten Enkel alt sein werden, die aber - Hurra und Halleluja - zu mir unterwegs sind. Ach! :-)

 

   

Ein Märchen

07.02.2019, 10:17 Uhr

Ich zähle gerade mein Geld und sammle meine Federn, die ich noch nicht verloren habe im Laufe eines langen, doch schon ziemlich langen Lebens. Da klingelt es an der Tür, zur Unzeit. Wer kann das sein? Niemals um diese Stunde hat schon je einer gewagt, mich beim Zählen, Sammeln zu stören. Vorsichtig luge ich durch den Spion. Ha! Man nennt es den Spion, jenes kleine Auge an Wohnungstüren! Irgendwie ist es gerade wichtig für mich, das gesondert hervorzuheben. Vielleicht, weil in meiner Stadt zur Zeit diese Plakate hängen; Stasi 1989 - und Facebook, Smartphone, App, Drohne & Co. 2019. Unter der Überschrift "An jeder Ecke ein Spitzel". Na ja, wie auch immer. In einem Menschenkopf vermischen sich halt Dinge, gesehene, geträumte, selbst erdachte, selbst erlebte. In einem Literatinnenkopf ganz besonders. Aber das wollte ich alles nicht erzählen. Ich luge also durch meinen Türspion und sehe sie draußen stehen, zu zweit, einen Mann, eine Frau; und sie wirken eigentlich nicht wie die Zeugen Jehovas. Ich weiß auch nicht, woran ich das nun wieder erkannt haben will. Ich öffne. Ich bin ja auch sehr neugierig. Das ist nicht zu ändern, so bin ich schon geboren worden. "Guten Tag", sagen die Frau und der Mann im Chor. Sie lächeln mich freundlich an. Ich bleibe etwas reserviert. Man weiß ja nie. Ich grüße aber zurück. "Worum geht es?", frage ich. Neugierig. Klar. 

"Wir möchten uns bei Ihnen herzlich entschuldigen." Hä? Aber da reden sie bereits weiter. "Ja, wir haben Geld von Ihnen angenommen, als wir schon ahnten, unsere Airline wird es wohl nicht mehr sehr lange geben." Ah! Aber, was - um alles in der Welt ... Sie brauchen meine Einschübe nicht. Sie fahren einfach fort: "Das ist nicht anständig", sagt der Mann. "Und nun haben Sie alles umsonst so früh im Jahr schon berappt. Im guten Glauben und Vertrauen. Das tut uns leid. Es soll Ihnen kein Schaden daraus entstehen. Mit dieser Last wollen wir nicht weiter leben." Die Dame zückt einen Umschlag. Es raschelt darin. "Hier ist der Betrag, den Sie durch unsere Geschäftspleite verloren haben oder eben fast verloren hätten. Wie gesagt, wir bitten Sie um Entschuldigung. Wir leisten vollen Ersatz." Als ich wieder sprechen kann, höre ich mich sagen: "Kein Anwalt? Kein Streit? Muss ich das vielleicht versteuern? ..." 

"Aber nein", sagen die beiden wieder im Chor. Sie tun das ja an vielen Haustüren. Sie sind in Übung damit. "Es geht uns um die neuen Zeiten, um einen völlig veränderten Umgang der Menschen untereinander. Wir möchten selbst damit beginnen, hier und heute und gleich jetzt." "Wollen selber die Wandlung sein, die wir auf der Welt zu sehen wünschen", bekräftigt der zweite des eigenartigen Pärchens an meiner Tür. Ich nehme den Umschlag entgegen. Mir wird leicht schwindelig, ich muss mich am Holzrahmen zum Eingang in meine Wohnung ganz kurz festhalten. Träume ich? Wache ich? Ich weiß es nicht mehr. Wer soll es mir sagen. Ich bin ja ganz allein mit diesen Beiden.

"Und, wenn Sie eine Umbuchung brauchen, wir sind Ihnen gern behilflich dabei", bieten sie mir noch an. Nein, also jetzt glaube ich wirklich nicht mehr, dass das hier tatsächlich geschieht. "Danke", sage ich. "Darüber muss ich erst nachdenken." Sie überreichen mir noch eine Visitenkarte. Ich kann sie jederzeit kontaktieren. Und dann helfen sie mir. Ohne Anwalt. Ohne Gericht. Ohne Umschweife. Einfach so, von Mensch zu Mensch. Ich kneife mich überall. Aber ich liege nicht in meinem Bettchen; es ist kein Traum. Oder doch? Weil angeblich alles nur ein Traum ist auf Erden? ... 

Wo war ich stehen geblieben, vor diesem Besuch? Ach ja, ich hatte mich sortiert; hatte meine Federn gesammelt und die Verluste verbucht. Im Moment weiß ich nicht, wohin ich mich wenden soll. Also bleibe ich einfach stehen, wo ich stehe, an Ort und Stelle. Schaue an mir herunter, den raschelnden Umschlag noch in der Hand. Da sehe ich einen frischen Flaum wachsen, ganz zart. Wenn er sich schon am Handrücken zeigt, dann eventuell auch anderswo am Körper? Auf meiner Seele? - Ich muss jetzt aufhören zu schreiben. Ich habe Wichtigeres zu tun. Das will ich ganz genau wissen. Und dann unter die Leute gehen, mich zeigen, es verkünden. Wie diese beiden. Kann es wirklich wahr sein? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Es ist ein Märchen. Oder was sagt ihr dazu?

 

 

ein Gruß zum neuen Jahr

11.01.2019, 11:06 Uhr

Es ist natürlich klar, dass ich jedem meiner Leser nur das Allerbeste wünsche. Dass wir jetzt eine nächsthöhere Zahl hinter das Tagesdatum schreiben, sei nur eine Frage der Mathematik, möchte ich meinen; aber nein! Es hat schon seinen Sinn, dass es damit eine gute Gelegenheit gibt, jedem Nachbarn, dem ich beim mittäglichen Lustwandeln begegne, einen frohen Wunsch zuzurufen. Ich sollte das nicht gering schätzen, wirklich nicht. Und so schmettere ich es über die Straße, raune es in so manches Ohr, grinse es über einen Ladentisch. "Ein gesundes und glückliches neues Jahr", sage ich - und ernte damit ein Lächeln. Hat sich doch schon gelohnt! Echt mal.

Ich möchte es nicht versäumen, euch allen zu danken, die ihr (zu Weihnachten?) meine Bücher erworben und vielleicht verschenkt habt. Das tut der Literatinnenseele so gut - ihr habt ja keine Ahnung. Alle meine Bücher sind zeitlos und immer wieder lesenswert; das habt ihr mir damit gesagt, es kommt bei mir im Innersten an. So nähre ich mich vom Seelenfutter und empfange die Kraft, weiterzumachen, die Jahresrechnung zu bezahlen, die sichert, dass alle meine Buchdaten weiter "gehalten" werden bei Books on Demand; so dass ihr sie auf den üblichen Wegen bestellen könnt. Ich freue mich sehr über euer Interesse und kaue auf einer nächsten Idee herum, ohne sie allerdings willentlich herbei zwingen zu können oder auch nur zu wollen. Darüber habe ich schon oft erzählt, nicht wahr? Das sagen auch berühmtere Kollegen von mir immer wieder und stärken mir die Geduld damit, die nun einmal mit meinem Beruf verbunden ist. Geduld! Oh je. Herr - schenke sie mir, aber sofort!, das ist ein bekannter joke unter Gleichgesinnten. Aber selbst Nikos Katsanzakis hat es gewusst: "Wir haben die Pflicht, uns nicht zu beeilen (die Pflicht!), nicht ungeduldig zu werden und dem ewigen Rhythmus der Natur mit Vertrauen zu folgen." Ich glaube, ich habe dieses Zitat aus dem "Alexis Sorbas" in mein drittes Kreta-Buch übernommen; manchmal weiß ich das gar nicht mehr so genau. Jedenfalls hängt es über meinem Schreibtisch und verliert nichts von seiner Aktualität für mich. Auch heute trifft es wieder den Kern, an diesem elften Tag des Jahres 2019 in Berlin, das mit Schneegriesel ein wenig beim Winter mitzumachen versucht. 

Ein echter Schnuspelmorgen, schrieb ich vorhin in mein Tagebuch. Schriftstellerwetter! Nur meinesgleichen jubelt darüber, weil wir mit Fug und Recht am Schreibtisch sitzen bleiben können und nicht raus zu gehen brauchen. Und dann mache ich mich doch auf meine Touren - eingedenk der alten Weisheit, dass es kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung gibt. Ja ja. Und bin dankbar, dass mein Schrank tatsächlich voll davon ist, von zu jedem Klima passenden Hüllen. Aber auch das - verflixt noch eins! - schreibe ich nicht zum ersten Mal. Wo war das noch ... in einem anderen Buch, zu einer anderen Zeit, auf dieser website gar? ... Ich redete zu viel. Ich schrieb ununterbrochen. Ich sabbelte so vor mich hin. Manchmal finde ich inzwischen Schweigen auch ganz nützlich und angesagt. Hey, Leute! Aber eine stumme Schriftstellerin!!! Was übte sie denn dann eigentlich noch für eine Berufung aus?! Das ist eine gute Frage, nicht - oder? Ein bißchen muss ich mich schon noch mit Worten ausdrücken, und das tue ich eben hier, auf dieser Seite, so lange mir der nächste Held für ein neues Werk nicht auf der Straße begegnet - oder meine ankommenden Enkelchen (neulich sagte ich: "Engelchen"! Was für ein herrlicher Freud´scher Versprecher!!!) mich zu etwas völlig anderem inspirieren. Ich halte mich offen und bereit. Da könnt ihr sicher sein!

Was wollte ich eigentlich sagen? Neuerdings empfange ich ulkige Wortneuschöpfungen, die ich mir vorsichtshalber notiere, man weiß ja nie. Schnuspelwetter zum Beispiel. Oder Vertonken. Den Liebsten nenne ich so, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt. Vertonken. Mein Schatz. Manchmal ersetze ich mit "Vertonken!" auch einen ungehaltenen Fluch. Dann muss ich fast schon wieder lachen - und Lachen ist extrem wichtig, wie ich im Selbstversuch herausgefunden habe -; denn wer kann noch tierisch ernst bleiben, wenn er "Vertonken!" flucht statt etwas Schlimmeres, das ich hier bewusst nicht wiederholen will. Ihr merkt, wie ich so drauf bin am Anfang dieses neuen Jahres. Und da wisst ihr noch nicht, dass ich mich anziehe wie eine fröhlich gealterte Pippi Langstrumpf. Schade, dass es diese Figur schon gibt; ich möchte sie glatt erfinden - oder eine wilde Schwester von ihr, ein Brüderchen ... Bis dieser Held sich mir offenbart, gewande ich mich jeden Tag erst einmal selber so, wie ich mir einen solchen Menschen eventuell vorstelle, und die Modefirma "Blutsgeschwister" hilft mir dabei. Jetzt ist es raus; Vorsicht! Product Placement auf meiner Seite!!! Aber ich muss es einmal erwähnen: Wenn es das gibt, dass textile Designer ähnliche Intentionen haben wie schreibende Künstler, dann müssen wir seelenverwandt sein, dieses label und ich. So bunt und originell und ladylike und unbändig humorvoll wie diese Kleider mit eigenen Namen; so wünsche ich mir mein neu zu entbindendes Wesen - und mein ganzes Jahr 2019, wenn es gestattet ist.

Damit wißt ihr nu wieder Bescheid über eure Katrin aus der Werkstatt. Vertonken aber auch!