Es schläft sich besser
mit guten Gedanken in der Nacht
nach reichen, erfüllt gelebten Tagen.
So wird es auch am Ende sein,
vermute ich.

Neuigkeiten


Dämonen

17.02.2020, 12:24 Uhr

Heute Morgen war plötzlich die Kaffeemaschine kaputt. Die rote Lampe am Einschalter leuchtete, aber das vertraute Schnorchelgeräusch, das auf den Durchlauf ersehnter Flüssigkeit hin deutet, blieb aus. Nanu? Es passierte - nichts. Und ich fragte mich, ob gestern vielleicht doch ein Dämon unterwegs gewesen war, der nun in einer Ecke hockt und kichert. Ich hatte so ein Gefühl. Warum sonst der Zwist, wo normalerweise nur Liebe herrscht! Und nun auch noch der Kaffeeautomat! Seufzend betätigte ich den Wasserkocher, schaufelte Kaffeepulver um und trank meinen Muntermacher eben "türkisch". Dafür brauche ich mehr Geduld als sonst, türkischer Kaffee will beim Zubereiten zelebriert werden, und er bleibt länger heiß in der Tasse. Aua aua auf der Zunge. Also Vorsicht! 

Früher habe ich meinen Kaffee - falls ich mir welchen leisten konnte; Bohnenkaffee namens "Mocca Fix" aus der goldbraunen Tüte - ja nur so getrunken. Türkisch. Kaffeemaschine besaß ich erst später, als ich schon meine zweite eigene Wohnung hatte. Ich denke an eine frühe Arbeitsstelle, an eine mir vertraute Küchenfrau. Sie zeigte mir, wie man ihn richtig aufbrüht, den Türkischen. Kochendes Wasser, zuerst den Bodensatz damit nur vorsichtig benetzen. Ebenso zartfühlend umrühren, dann warten. Das Pulver soll in dieser Phase quasi aufblühen, sein Aroma freiwillig entfalten. Dann - nach gebührender Pause - der nächste Schwall. Siedendes Wasser, und nun füllt man seine Tasse bis zum Rand. Pusten, den entstandenen Schaum an der Oberfläche mit dem Löffel kreisen lassen, hinsetzen, in sich hinein sinnen. Ist die Flüssigkeit soweit abgekühlt, dass man das gefahrlos wagen kann, die Lippen an den Rand der Tasse setzen und den ersten Schluck schlürfen. Ahhh ... Kaffee! In seiner besten Form. Eine Meditation. Ein Ritual.

Leider zeigte diese Dame mir auch, wie man die Wartezeit noch füllen kann, nämlich, indem man ein geistiges Getränk zu sich nimmt. Ich will sie nicht beschuldigen; sie konnte nichts dafür. Wenn ich mich recht erinnere, verstanden wir uns gut. Mag sein, dass mein inwendiges rotes Lämpchen ebenfalls aufleuchtete - ich beachtete es jedoch nicht. Der Dämon, der mich in seinen Krallen hielt, musste schon andere Geschütze auffahren. Aus roten Lämpchen wurden - um im Bild zu bleiben - warnende Signalfeuer; wahre Scheiterhaufen. Aber dann! Gott sei Dank. Was kaputt war, durfte wieder heilen. Und Kaffeemaschinen sind heute auch nicht mehr teuer. Ich werde sogleich los ziehen und eine neue erstehen. Oder bleibe ich beim Zeremoniell? Spiritus contra Spiritum? (Autorin schmunzelt)

 

 

Ein Kind gehört niemandem!

13.02.2020, 09:32 Uhr

Gestern Abend - ein aufwühlender Film in der ARD: "Weil du mir gehörst". Ein Elternpaar kämpft erbittert um sein Kind. Ein Vater wird systematisch aus der Familie ausgeschlossen, verunglimpft, vor Gericht gezerrt. Das kleine Mädchen, die Tochter, wird dabei seelisch zerstört; keiner von beiden scheint es zu bemerken. Eine Maschinerie läuft an; eine Maschinerie aus Ämtern, Anwälten, Gutachtern, die eigentlich beschützen soll, das Ganze aber noch mehr befeuert. Es ist kaum auszuhalten, das mitanzusehen; fast minutiös zu sehen und zu spüren, wie die Kleine manipuliert wird, verwirrt, missbraucht - und am Ende überhaupt nicht mehr weiß, was sie selbst eigentlich fühlt, was sie will oder nicht will, unabhängig von der Erwachsenen. Es ist zu spät. Nicht nur, dass diese Eltern ihr Kind längst verloren haben - und es auch mit Geschenken nicht zurück gewinnen können. Nein, dieser junge Mensch hat sich selbst verloren; und das ist fürchterlich, die Hölle! Das Mädchen im Film, noch nicht zehnjährig, beginnt, sich selbst zu ritzen, pullert ein, wird auffällig - und keiner sieht es. Diese so genannten Erwachsenen sind mit sich selbst beschäftigt und dem, was sie für richtig halten. Es ist mir schrecklich, aber auch auf neue Weise läuternd, das so mit anzusehen. Ich bin den Fernsehmachern dankbar für diesen Film, ich weiß aus eigener Erfahrung, dass sie die Wahrheit erzählen. Geschichten gleichen sich nie aufs Haar; aber Prozesse in Menschenwesen schon. 

Eine Elfjährige steht im Chor auf einer Bühne und kann vor Weinkrämpfen nicht singen. Unkontrollierbar fließen ihr die Tränen, sie muss aus der Schule genommen werden. Warum greift keiner ein? Bleibt alles in der Familie ... Es geht in die Hose. Sie frißt und kotzt. Sie beginnt zu trinken. Clara Felder, "Das schwächste Glied". Mein erstes Buch. Damit war es nicht getan. Damit fing es weiß Gott erst an! Ich weiß, wie lange es dauern kann, die Fäden wieder zu entwirren, die Verstrickung zu lösen. Sich selbst wieder zu gewinnen, nachdem man so verloren war. Ein lebenslanger Prozess, eine Mühe. Die sich aber lohnt. So viel kann ich sagen. Es gibt einen treffenden Text, den möchte ich hier anfügen (was ich selbst zu sagen hatte und noch haben werde, steht in meinen Büchern). Also hier der Text:

Als sie lachte


sagte man ihr, sie sei kindisch.
Also hörte sie auf zu lachen.
 
Als sie liebte,
sagte man ihr, sie sei zu romantisch.
Also hörte sie auf zu lieben.
 
Als sie reden wollte,
sagte man ihr, darüber spreche man nicht.
Also lernte sie zu schweigen.
 
Als sie weinte,
sagte man ihr, sie sei zu weich.
Also hörte sie auf zu weinen.
 
Als sie schrie,
sagte man ihr, sie sei hysterisch.
Also hörte sie auf zu schreien.
 
Als sie anfing zu trinken,
sagte man ihr, sie brauche eine Therapie.
Also machte sie eine Therapie.
 
Als sie wieder draussen war,
sagte man ihr, sie könne jetzt von vorn anfangen.
Also tat sie, als begänne sie ein neues Leben.
 
Als sie ein Jahr später
sich versteckt zu Tode gefixt hatte,
sagte man gar nichts mehr
und jeder für sich versuchte
leise das Unbehagen zusammen mit den Blumen
ins Grab zu werfen.

*

Man weiß es später nicht mehr, was eigentlich ist, was war. Viele fragen sich dann: Was hat sie oder er denn nur? Sie hatte doch alles, es gibt doch keinen Grund, sich selbst so zu zerstören! Wie gesagt, es dauert Jahre. Jahrzehnte. Ein langer Prozess hinein; ein langer Prozess wieder heraus - heraus, wenn man Glück hat und sich die richtige Hilfe suchen kann. Zurück zu dem oben erwähnten Film, der mich tief berührte: Die hoffnungsvolle Figur darin ist für mich ein weiser Richter (die ganze Zeit über dachte ich beim Schauen: Gibt es denn keinen einzigen Erwachsenen, der tiefer hinsehen kann? Der erkennt, was da wirklich vorgeht, in dem Mädchen, in dieser Familie?). Er ist der Einzige, der ein "Macht"wort spricht und diese Eltern dazu verdonnert, sich erst einmal selbst Hilfe zu suchen, um ihr Kind nicht noch weiter kaputt zu machen. Ob es nicht schon längst zu spät ist; ob die Kleine nicht schon für lange Zeit "zu" gemacht hat, das sei dahin gestellt ...

Ich wiederhole es: Danke für so einen Film! Dafür lohnen sich meine Gebührengelder. Absolut. 

 

 

zum neuen Jahr

06.01.2020, 14:05 Uhr

Na klar, na klar

ein neues Jahr.

Ach wie toll

die Sauna ist voll,

gute Vorsätze

beanspruchen Schwitzeplätze.

Wir Üblichen Ständigen

tauschen Blicke und bändigen

unseren Drang und Behufe,

Neulinge zur Ordnung zu rufe(n).

*** 

Alles Gute allen meinen Lesern zur runden 2020, die auf mich irgendwie sympathisch wirkt, freundlicher als 2019; aber das mag an meinen Tests und Prüfungen liegen, durch die ich letztes Jahr gegangen bin. Mein Computer macht ein nie da gewesenes metallisches Geräusch beim Schreiben; vielleicht ist ja auch er durch Tests und Prüfungen gegangen, wer weiß, und hat Federn dabei gelassen ... Ich weiß es nicht. Ich hacke einfach über das metallische Geräusch hinüber in die Tasten, so wie ich über meine eigenen Blessuren rüber weiter fröhlich zu leben beschließe. Was denn auch sonst! Es gibt keine Alternative dazu, die mich jetzt noch ernsthaft locken könnte.

Die zwölf magischen Rauhnächte sind vorüber, in denen wir Erdlinge angeblich der Anderwelt besonders nahe sein sollen. Mein System ist mit Sicherheit auch von Fernsehkrimis, Nachrichten und dem wilden Berlin geprägt, so dass ich meine Rauhnächteträume nicht ohne dieses Wissen wirklich deuten kann. Einfacher ausgedrückt: In meinem Schädel geht es drunter und drüber; und ich bin gut beraten, auch weiterhin nicht alles zu glauben, was ich so denke - oder eben träume. Die Anderwelt hat es nicht leicht, mit ihren mystischen Botschaften zu mir durchzudringen, durch all den angesammelten Wust hindurch! Dennoch habe ich am Heiligen Abend - ohne lange nachzudenken - zwölf Wünsche auf ein Blatt Papier geworfen, dieses dann zu Zettelchen zerschnitten, die ich nicht noch einmal las, sondern jeden Tag ins Feuer warf, eines nach dem anderen. Heute blieb eines übrig, das ich in mein Tagebuch klebte; der Sage nach soll es dasjenige sein, um das ich mich selbst kümmern muss 2020; um alle anderen elf kümmert sich das Universum. Schöne Vorstellung! Dem einen, letzten Wunsch und seiner Erfüllung fühle ich mich gewachsen, er hat direkt mit dem zu tun, was ich auf Erden am liebsten tue (mehr wird nicht verraten). Und er hat mich zu einem noch unveröffentlichten Manuskript geführt, das ich lange nicht zur Hand nahm, und das immer noch seinen Verleger sucht. Wir können warten, dieses Buch und ich; so lange, bis der oder die Richtige kommt. Schön wäre es doch. Aber es muss stimmen. An alles andere glaube ich nicht mehr.

So haut rein! Und folgt keinen Vorsätzen; redet lieber über das, was ihr tatsächlich getan habt (ich gebe das nur weiter; ist mir auch dereinst so gesagt worden - und gut so!).